Wittlich hat´s gehabt oder der langsame Tod einer schönen Innenstadt

In den 70erJahren prägte die Kaufstadt Wittlich, meine Heimatstadt, den Werbeslogan: „Wittlich hat´s“. Im neuen Jahrhundert wurde dann die Burgstrasse sogar zur Wittlicher „Kö“ ernannt. Heute, am 18.6.14 war ich, nach einigen Jahren der Abwesenheit, mal wieder in meiner geliebten Säubrennerstadt, um das Grab meiner Eltern zu besuchen.

Ich parkte neben der „alten“ Sparkasse (meinem Geburtshaus), ging durch die sogenannte Schlossgalerie (Ramschgalerie wäre treffender) in die Schloßstr. und warf zunächst einen Blick in die „neue“ Sparkasse, wo ich in den 60er Jahren aufgewachsen bin und bis 1975 gewohnt habe. Seinerzeit, als es noch einen Matthias Mehs gab, war die „neue Sparkasse“ in der Schloßstrasse ein Finanzdienstleister, der gehobene Solidität und persönliche Dienstleistung ausstrahlte, wenn man die Schalterhalle betrat. Heute betrat ich die neue, rationale Schalterhalle, sah kaum noch Menschen, dafür aber viele Bankautomaten und kam mir vor, wie in jeder x-beliebigen Filiale einer amerikanischen oder spanischen Bank.

Die Schlossgalerie und die Sparkasse haben sich also auf einem tiefen Niveau dem Zeitgeist angenähert. Leicht geschockt war ich dann, als ich in die Burgstrasse, die ich seit mehr als einem halben Jahrzehnt wie meine Westentasche kenne und liebe, einbog. Den Friseurladen, den mein Opa vor dem zweiten Weltkrieg aufbaute  und in dem meine Mutter mich und die Kinder meines Patenonkels betreute, während dieser im Geschäft war, gab es nicht mehr. Mein Vetter hat ihn offensichtlich mangels Zukunftsfähigkeit geschlossen und nun ist er einTeil der soeben erwähnten, durchrationalisierten Sparkasse geworden.

Als ich die Schlossgalerie sah, deren Leerstände mich mehr beindruckten als die überdimensionierte Drogeriekette,  befürchtete ich schon, das sich dieses schreckliche Einkaufszentrum nicht als Magnet für Käufer, sondern eher als Katalysator für den Tod der Burgstraße profiliert hat. Und diese Befürchtung bestätigte sich durch meinen Rundgang durch die Wittlicher Burg- und die Neustrasse. Nicht nur der Friseurladen meines Opas, auch ein Juwelier oder die Buchhandlung eines stadtbekannten Säubrenners, der gerne Stadtplaner geworden wäre, wurden oder werden  „ausverkauft“. Eine alteingesessene Drogerie, neben einem ehemaligen Zigarrenhaus bietet  nun Essig, Öl, Wein und „Genüsse“an. Kurzum: die Burgstrasse, das Herz und die Seele der Wittlicher Innenstadt liegt in den letzten Zügen und es ist zu befürchten, dass diese Wittlicher Einkaufsstraße demnächst ein „Freilichtmuseum für gescheiterte Innenstadtpolitik“ wird.

Wer trägt dafür die Verantwortung? Natürlich die Bürger, die ihre Schlächter, sprich Kommunalpolitiker, selbst gewählt haben. Schaut man sich das Ergebnis der letzten Kommunalwahlen an, stellt man fest, auch die Säubrenner haben nichts begriffen.

Das Herz Ihrer schönen Innenstadt steht kurz vor dem Infarkt und die Adern sind so krank, dass man mit dem baldigen Tod der Burg- und der Neustrasse rechnen muss. Wer ist schuld? Der Wähler, ein gescheiterter Ex- Landrat, ein ehemaliger Graf, ein dicker Sonderschullehrer, ein erkrankter Ex- Polizist oder ein überforderter Ex- Förster?

Nein, es wäre falsch, die  Verantwortung für eine gescheiterte Innenstadtentwicklung einer einzelnen Figur in die Schuhe zu schieben. Schuld sind alle Politiker und alle Wähler, die daran mitgewirkt haben, dass die Wittlicher Innenstadt durch die Auslagerung von Einrichtungen  wie Krankenhaus, Schulen, Verwaltungen, Bau- oder Supermärkten an die Peripherie ausgeblutet wurde. Vielleicht hat diese sehr schöne  Fußgängerzone  ja noch eine Chance als Freilichtmuseum, als abschreckendes Beispiel für eine gescheiterte Stadtentwicklungspolitik?

Vielleicht könnte man aber auch die Laternen in der Burgstrasse, falls es noch schlimmer wird, was zu befürchten ist, einem anderen Verwendungszweck zuführen. Ich denke da z.B. daran, dass man sie als Pranger für Wittlicher Politiker nutzen könnte. Diese Verwendung würde die Innenstadt sehr beleben und hätte einen überregionale Magnetfunktion. Vielleicht könnte Wittlich so einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass der deutsche  Michel endlich mal aufwacht.

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Ein Gedanke zu „Wittlich hat´s gehabt oder der langsame Tod einer schönen Innenstadt

  1. Tach Gerhard,
    pflichte dir uneingeschränkt bei. Bin nun etwas häufiger als Du in „unserer Stadt“. Mein Herz blutet jedes Mal,wenn ich genau hinschaue und an alte Zeiten denke. Mein Slogan lautet, das Herz einer Stadt schlägt in der Innenstadt. Das Problem in Wittlich ist, das alles schöngeredet wird. Wenn man ein Diktat schreibt bekommt man immer die Fehler angestrichen und erkennt so seine Schwächen und kann nachbessern. Diese Vorgehensweise ist den Verantwortlichen in Wittlich fremd; weil alles vermeintlich bestens ist, herrscht hier Friede Freude Eierkuchen und es gibt nichts nachzubessern. Was tun…sprach Zeus die Götter sind besoffen

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